Der weltweit preisgekrönte Film ”Bessere Zeiten” schildert ein Trauma – und geht unter die Haut, DVD Release am 14. Juni 2012

Schwimm um dein Leben, aber lauf nicht davon!

Regie: Pernilla August

Regie: Pernilla August

Foto: NFP

Die wenigsten Familientragödien schaffen es noch in die Schlagzeilen – Arbeitslosigkeit, Aufgabe, Alkoholsucht, Verantwortungslosigkeit, Verwahrlosung. Na klar, Missbrauch und Vernachlässigung der Kinder – alles unter Hartz 4 – und mit Migrationshintergrund. Und mittendrin das Versagen der zuständigen Instanzen.
Ach so, glückliche Familien kommen in den meisten Medien ohnehin kaum vor, oder?

Am Anfang steht immer die Liebe…Ein finnisches Ehepaar, Aili und Kimmo Moilanen übersiedeln in den Siebziger Jahren mit ihren schulpflichtigen Kindern nach Ystad in Schweden. Der "beste Dreher Finnlands” hat den Alkohol besiegt und strebt in der von den Einheimischen zynisch "Schweineviertel” genannten Plattenbausiedlung bessere Zeiten an.

Die erwachsene Leena genießt ein vermeintlich perfektes Leben mit ihrem sie vergötternden Mann Johan und zwei braven, verspielten Töchtern, 600 Kilometer entfernt. Sie schwimmt leidenschaftlich gern.

Ich kann (es besser)?!

Ich kann (es besser)?!

Foto: NFP, Rolf Konow

Die kleine Leena und ihr jüngerer Bruder Sakari durchleben bald die heimische Hölle, denn mit dem Jobverlust des Vaters nimmt die Tragödie ihren Lauf: Aufgabe, Alkoholsucht,…siehe oben.

Die große Leena will in keinem Fall dem Tod ihrer Mutter beiwohnen, der Vater ist längst verstorben. Sie geht schwimmen. Ihre Familie zwingt sie jedoch sanft zum Aufbruch, sie hat von den Dämonen der Kindheit keine Ahnung, und so begeben sie sich auf eine eintägige Reise in die Vergangenheit. Es ist um Weihnachten.

Tochter - Bruder

Tochter - Bruder

Foto: NFP, Rolf Konow

Die kleine Leena sucht verzweifelt einen Halt - im Wasser entwickelt sie sich zu einer herausragenden Schwimmerin und bekommt Achtung und Zuneigung ihres Teams samt Trainer. Sie freundet sich mit der Nachbarstochter an und kümmert sich aufopfernd um ihren zunehmend die Sprache und Schule verweigernden Bruder, während die Eltern immer mehr verwahrlosen, siehe oben.

Die große Leena bricht phasenweise aus ihrer Mutterrolle aus, doch ihre Lieben geben ihr unablässigen Halt. Sie mag nicht die bösen Zeiten konfrontieren und muss doch die Erinnerungen daran hereinlassen, die wie der wütende Regen draußen ihre Reise begleiten.

Mutter - Tochter

Mutter - Tochter

Foto: NFP, Rolf Konow

Die kleine Leena hat auch Glücksmomente. Inzwischen hilft sie ihrer Mutter bei reichen Leuten putzen und bekommt den ersehnten modernen Mannschaftsbadeanzug – dort ist sie integriert. Sakari verstummt und verweigert die Nahrung.

Es weihnachtet furchtbar...

Es weihnachtet furchtbar...

Foto: NFP, Rolf Konow

Alkoholiker Vater und Co-Alkoholikerin Mutter schlagen sich und bescheren ein desaströses Fest. Es ist Weihnachten, und das Mädchen richtet den Baum wieder her.

Die große Leena ist wohlhabend geworden. Ihre Töchter bringen ihr und Johan das Frühstück ans Bett. Im Krankenhaus möchte sie ihre Mutter nicht erkennen. Die Mädchen lernen schüchtern ihre Großmutter kennen. Diese bittet um die Eheringe und Papa – Leena sagt halbherzig zu. Sie erträgt das Wiedersehen nur für ein paar Minuten, alle brauchen Ruhe, und so fahren sie in die Wohnung der Wiederkehr.

Wieder daheim - allein?

Wieder daheim - allein?

Foto: NFP, Rolf Konow

Die kleine Leena geht in die Offensive und schaltet das Jugendamt ein. Nicht ihretwegen, den Bruder will sie schützen und den Beamten übergeben. Tatsächlich erscheinen zwei Vertreter und verschwinden ebenso schnell – sie fühlen sich nicht so recht wohl angesichts des verdreckten und verwahrlosten Ambientes. Und versagen…, siehe oben.

Die große Leena untersagt ihren Kindern jeglichen Kontakt mit den Gegenständen, Kleidungsstücken und Fotos, die sie in der unheimlichen Heimstatt vorfindet und reagiert gereizt auf verständliche Fragen. Sie schnappt sich die Urne von Papa und bringt sie ihrer Mama ins Krankenhaus. Sie schiebt das Bett heimlich auf einen Balkon und erfüllt einen weiteren Wunsch; sie teilen sich eine Zigarette.

Vater - Tochter

Vater - Tochter

Foto: NFP, Rolf Konow

Die kleine Leena sieht nun den totalen Zusammenbruch daheim mit an. Routinemäßig versorgt sie nun auch die Eltern, reinigt sie, die Wohnung und hinter ihnen her. Sakari wird nun endlich zu "seinem Besten herausgeholt”. Wir verlassen hier die kleine Leena, sie schwimmt weiter. Ein Ende zweier Kindheiten.

Die große Leena explodiert nach ein paar Gläsern Wein, ihr innerer Tresor samt Eheringen wird förmlich gesprengt. Und doch fügt sich da ein Leben erst zusammen. 

Am Anfang steht immer die Liebe,…und manchmal bleibt sie…

Die wenigsten Familientragödien schaffen es noch in die Schlagzeilen…- was für ein großartiger, bewegender Film stattdessen! Und verraten wurde so gut wie gar nichts – versprochen!

Wir machen es besser!?

Wir machen es besser!?

Foto: NFP, Rolf Konow

Bessere Zeiten? Wir sollten nicht aufhören zu träumen.

Text: Andreas Radau

Fotos: NFP, Rolf Konow

http://www.besserezeiten-derfilm.de/

http://www.filmpresskit.de/


 

 

 

 

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