Jochen Bendel lässt sich in die Töpfe gucken

Kultmoderator als Kochduell-Champ

Symphatieträger: TV-Moderator & Koch Jochen BendelAls TV-Moderator weithin bekannt und beliebt, sieht es mittlerweile fast so aus, als hätte Jochen Bendel, 38, klammheimlich eine erfolgreiche Zweit-Karriere gestartet. Als Hobbykoch ein Super-Talent, begeistert er Freunde, Kollegen und neuerdings auch die Juroren. So gewann er einen kulinarischen TV-Wettbewerb nach dem anderen, sahnte ab bei „Das perfekte Promi-Dinner", „Das Promi-Kochduell", „Die Promi Kocharena" und „Promis unter Volldampf" – und alles noch für einen guten Zweck. Seine Rezepte sind legendär, echte Gaumenkitzler und nicht nur in Internet-Foren heiß begehrt. Ein Grund mehr, sich zum Gespräch mit dem smarten Multitalent zu treffen. In lila-weißer Collegejacke mit passendem Poloshirt und legeren Jeans sitzt er lässig auf der Ledercouch im „Blauen Bock" am St.-Sebastian-Platz in der Altstadt. „Meine Heimat sozusagen", erzählt Jochen Bendel. Denn hier steht er ab und zu am Herd um zu lernen und neue Kreationen auszuprobieren, die inzwischen die ganze Welt begeistern. Für uns öffnet er sein bislang unter Verschluss gehaltenes Schatzkästchen: seine Rezepte. Allesamt ganz easy zum Nachkochen. Vielfältig. Leicht. Unkompliziert. Und ungeheuer lecker ... Und offenbar kein Super-Gau für die Linie, denn Jochen Bendel ist drahtig, nirgendwo ein Gramm Fett. Im Interview verrät er alles. Vor allem, wie alles begann...

Lesen Sie in Folge 1, wie seine Koch-Lust geweckt wird und sein TV-Start verlief

Jochen Bendel hat zwar schon früh seine Leidenschaft fürs Kochen entwickelt, trotzdem ist er erst mal TV-Moderator geworden.

"Kochen war für mich nie was Besonderes, das war immer selbstverständlich für mich. Deshalb hatte ich nie den Drang, das beruflich zu machen. Aber ich hatte immer den Bezug dazu und großen Wert aufs Essen gelegt. Ich bin jedoch kaum ins Restaurant gegangen, sondern hab’ mich und meine Freunde lieber selber bekocht. Zum Fernsehen wollte ich aber unbedingt!"

Wie er tatsächlich zum Fernsehen kam...

"Das war purer Zufall. Gerade fertig mit dem Gymnasium, bewarb ich mich beim damaligen Musiksender TELE 5. Kaum eine Woche später flatterte jedoch die Absage in meinen Briefkasten. Ich war total frustriert, dass ich nicht mal zum Casting eingeladen wurde. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben und rief frech beim Programmchef an. „Mir ist vielleicht wichtiger zu wissen, warum sie mich nicht genommen haben, als für Sie zu arbeiten!" blaffte ich ihn an. Und er versprach sogar, meine Bewerbung noch mal zu prüfen. Keine fünf Minuten später rief er zurück: „Willst Du mich verarschen?!" blaffte er nun zurück. „Du stehst auf der Casting-Liste. Komm bloß pünktlich!" Wie jetzt? Die Erklärung: Ich hatte den falschen Formbrief zugeschickt bekommen, statt der Einladung zum Casting eben die Absage. Und das Beste: Ich machte dann das Rennen unter 30 Konkurrenten!"

... und sein Fazit:

"Das ist meine ganz persönliche Geschichte, die jedem Mut machen soll. Denn: Wenn du wirklich was willst, nimm dein Schicksal in die Hand! Hätte ich damals nicht zum Telefon gegriffen und so „dreist" angerufen, ich hätte vielleicht nie meinen Traum verwirklicht!"

Heute kann Jochen Bendel beides vereinen, Moderieren und Kochen.

"Ich kann das - glaube ich - ganz gut kommunizieren. Gute Gerichte auftischen, unterhalten, alle Sinne ansprechen, die Leute zum Lachen bringen. Das macht mir tierisch Spaß, ist inzwischen mein absoluter, mein absoluter Traumjob ..."

Und so kam er an den Herd.

Stolz zeigt Jochen Bendel am iPhone ein Foto seines Großvaters. Ja, das trägt er immer bei sich, denn von ihm hat er Kochen gelernt.

"Ich bin mit Kochen aufgewachsen, stamme aus einer Gastronomiefamilie. Schon meine Urgroßmutter war Köchin, meine Großeltern hatten Hotel und Restaurants, und mein Großvater war ein ganz toller Koch. Er ist mein großes Vorbild! So legte er zum Beispiel auch sehr viel Wert auf Hausmannskost, da wurde alles aber selbstverständlich noch selber produziert, angefangen vom Nudelteig bis hin zu den unterschiedlichsten Würsteln. Jedenfalls hatte ich einen sehr guten Draht zu ihm, war oft bei ihm, auch nach der Schule, und er hat mir alles beigebracht, und mir den einen oder anderen Trick verraten. Und mich hat es von Anfang an brennend interessiert! Schon als kleiner Junge durfte ich ein eigenes Beet haben mit Frühsalat und Kräuter. Mein Großvater hat meine Kreativität gefördert, dafür bin ich ihm sehr dankbar." 

 Vorbild: Jochen Bendels Opa war auch Koch ...


Do it yourself - von eingelegten Gurken bis zum Schnaps 

"Wir haben Mirabellen geerntet, Marmelade gekocht, Schnaps gebrannt, und wenn noch Mirabellen übrig waren, durfte ich die Kinder aus der Nachbarschaft einladen, und es gab ein Mirabellen-Fest. Mit sechs Jahren hatte ich sogar schon einen eigenen kleinen Ofen, der richtig funktioniert hat. Oft hab’ ich dann Sachen vom großen Herd stibitzt und auf meinem kleinen dann eigene Gerichte erfunden. Meine Leibspeise war geschmortes Kaninchen - mein Großvater hat mir schon früh klar gemacht, dass das lebende Tiere sind, die erst geschlachtet werden müssen, wenn man sie essen will. Das habe ich mit anschauen müssen - und ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass es ein „normaler" Vorgang ist: Tiere müssen sterben, wenn ich Fleisch essen möchte. Und dafür trage ich die Verantwortung. Er hat mir auch beigebracht, auf Qualität zu achten. Lieber selten Fleisch und dafür vom Metzger statt aus dem Supermarktregal. Und er hat mich gelehrt, dass Probieren über Studieren geht. Das beherzige ich bis heute. Von ihm habe ich auch gelernt, wie man Gurken einmacht – mit frischem Dill, Wein- und Kirschblättern, Senfkörnern... davon mache ich jedes Jahr vier Kilo, eigentlich aus Nostalgie und aus Gedenken an ihn." Auf dem Foto unten links sehen Sie Jochen Bendel mit Promi-Gastronom Charles Schumann. Übrigens: In unserer Rubrik M-Gourmet veröffentlicht Jochen Bendel regelmäßig seine besten Rezepte. 

Liebevolles Andenken: Lecker eingemachte Gurken 







































Gemeinsam am Herd: Szene-Gastronom Charles Schumann & Jochen Bendel
Das tischt er uns auf.


"Das Geheimnis meiner Rezepte: Leichte, aromatische Gerichte, unkompliziert von den Lesern zu Hause umzusetzen und nicht so verzwickt beschrieben wie in vielen Kochbüchern. Das ist ja manchmal wie ein Blindflug – ein Gericht wir dann erst richtig gut, wenn es ein paar Mal gekocht worden ist. Deshalb habe ich sämtliche - allesamt unveröffentlichte Rezepte! - selber schon tausendmal zubereitet, ausgefeilt und verfeinert. Keines dauert länger als 45 Minuten. Man braucht kaum Zutaten, ein paar Basics, ein paar Gewürze. Ich liebe die light cuisine - gesund, kalorienbewusst und mit wenig Kohlenhydraten. So ernähre ich mich selbst, und mit diese Art von Gerichten habe ich auch beim „Promi Dinner" und in der „Kocharena" gewonnen".

Jochen Bendel ist Koch aus Leidenschaft Jochen Bendel in Vorbild 2: jochen bendel

Jochen Bendel ist Koch aus Leidenschaft Jochen Bendel in "Das perfekte Promi Dinner" ... und mit Sternekoch Eckart Witzigmann 

Also verfeinerte Hausmannskost?

"Ich würde eher sagen: Gerichte, die ich bei meinen vielen Reisen kennen gelernt habe. Wie die neapolitanische Küche mit Auberginen und süßen „San Marzano" Tomaten. Und als ich in Jordanien war, habe ich dort in einem Sterne-Restaurant einen libanesischen Kochkurs gemacht. Das gleiche habe ich in Thailand und Japan praktiziert. Das sind meine Inspirationsquellen, und daraus habe ich jeweils das Beste und Kompatibelste herausgefiltert. Zu Hause kombiniere ich es dann mit heimischen, saisonalen Zutaten."

Cross cooking nennt man das wohl.

"Ja. Aber es ist nicht so, dass man für ein einzelnes Gericht im Asialaden 25 verschiedene Sachen kaufen muss, die man dann wahrscheinlich nie mehr braucht. Ich habe alles sehr reduziert. Meine Devise: toller Geschmack, super Qualität, aber relativ wenig Zutaten. Ich habe unlängst einer Freundin mein Rezept für das in Kokosmilch pochierte Hühnchen mit Süßkartoffeln gegeben, ihre Gäste waren total begeistert ..."

Und wir fühlen uns total geehrt, dass wir die geheime Schatzsammlung bekommen.

"Mich würde es freuen, wenn sie nachgekocht, ausgedruckt und gesammelt werden! Ich signiere die Sammelmappen dann auch gerne!"

In der zweiten Folge erfahren Sie, welche Basics beim Kochen unentbehrlich sind und profitieren Sie von den ganz persönlichen Jochen-Bendel-Tipps ...

Interview: Daniela Schwan

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