Flughafenchef Dr. Michael Kerkloh im Gespräch

UNTERM ANZUG GÄNSEHAUT

Seine Arbeitskleidung: dunkler Anzug, Hemd und Krawatte. Anzahl seiner Mitarbeiter: 4.162. Sein Job: Oberster Dienstherr eines Imperiums über 1.560 Hektar. Sein Arbeitsplatz: weckt Träume von der großen weiten Welt - der Münchner Flughafen.
Im Telefoninterview mit Chefredakteurin Daniela Schwan gibt sich Dr. Michael Kerkloh, 57,  lässig und humorvoll. Erzählt, was er in neun Jahren alles erreicht hat. Was er sich zum Ziel gesetzt hat. Warum er das Airport-Flair wie die Luft zum Atmen braucht. Und warum man in seinem Beruf eine gehörige Portion Geduld, Menschenkenntnis und Kulturfeeling braucht ...
Hallo, Herr Dr. Kerkloh, wir sind mal zusammen beim Jungfernflight im Embaer 195 der Dolomiti Air nach Mailand geflogen ...
Dr. Michael Kerkloh: „Selbstverständlich erinnere ich mich! Das Event war eines der vielen Highlights in meinem Beruf. Wir haben eine Art Jahreskalender für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Manchmal sind 5000 Leute zu Fußball-Endspielen bei uns, wenn wir Public Viewing zur WM oder EM anbieten. Darüber hinaus veranstalten wir Familienprogramme wie unser Osterfest im Besucherpark, und wir planen jetzt schon unseren großen Wintermarkt 2011 im MAC. Im Airbräu gibt’s regelmäßig Kleinkunst-Veranstaltungen, Folk- und Jazz-Konzerte. Und das Kempinski präsentiert kulinarische Höhepunkte mit seinen Themen-Buffets. Im März haben wir im München Airport Center außerdem unsere Sonderaktion „MUC-Winterspiele" mit Attraktionen und „olympischen" Disziplinen für die ganze Familie wie zum Beispiel einen Bob-Simulator. Alles als Vorgeschmack auf die Winter-Olympiade 2018 – denn wir möchten damit weiter die Werbetrommel für Münchens Olympia-Bewerbung rühren. Sie sehen, unser Airport ist nicht nur Startrampe für Urlaubs- und Geschäftsflüge, sondern lädt auch zur Freizeit-Unterhaltung ein." 
Sie setzen sich ohnehin sehr dafür ein, dass München die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichtet. Warum?
Dr. Michael Kerkloh: „Wir sehen darin eine riesige Chance für den Standort München, die Attraktivität und Beliebtheit weltweit noch zu steigern. Auch die Popularität Bayerns als Reiseland würde noch einmal an Schubkraft zunehmen. Und nicht zuletzt wäre der Luftverkehr einer der großen Gewinner." 

 Flughafen-Boss Dr. Michael Kerkloh hat noch viel vor ...  Seit neun Jahren Flughafenchef: Dr. Michael Kerkloh   Dr. Michael Kerkloh. Bis 2020 will er die Anzahl der Flugpassagiere fast verdoppeln

Derzeit sind Sie ja mit den Planungen zum Bau der dritten Start- und Landebahn in aller Munde.
Dr. Michael Kerkloh: „Und dieser Ausbau ist auch dringend notwendig. Wir arbeiten an der Fortsetzung unserer Erfolgsgeschichte in verschiedenen Etappen. Die Genehmigung ist beantragt, und wir brauchen dringend die neue Bahn, um dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen Rechnung zu tragen. Wir haben jetzt die Startfreigabe für den Satelliten des Terminals 2 und führen den Airport damit auch bei der Passagierkapazität in eine neue Dimension. Damit schaffen wir den nötigen Platz für den Luftverkehr von morgen." 
Was kann der Satellit denn alles leisten? 
Dr. Michael Kerkloh: „Mit dem neuen Bau wird die bisherige Gepäcksortierhalle auf dem Vorfeld östlich des Terminals 2 erweitert. Wir gewinnen dadurch zusätzliche Abfertigungsmöglichkeiten für elf Millionen Fluggäste und erreichen etwa die Größenordnung des heutigen Frankfurter Flughafens. Wir haben damit die Möglichkeit, das anerkannt hohe Qualitätsniveau unseres Flughafens weiterhin zu gewährleisten." 
Klingt nach einem aufregenden Jahr!
Dr. Michael Kerkloh: „ 2011 steht ganz im Zeichen der Zukunft. Wir sind inzwischen zur  Nummer Eins bei europäischen Zielen avanciert und wollen auch zu den besten Drehkreuzen der Welt gehören. Gerade die letzten Jahre hat der Airport global an Reputation gewonnen, wir bestechen durch tolles Flair und eine ganz eigene Mischung aus Tradition und Moderne. Die Leser des Reisemagazins „Traveller’s World" haben München kürzlich zum viertbesten Flughafen der Welt gewählt, vor allem wegen des guten Service. Er ist der einzige deutsche Verkehrsflughafen, der sich in diesem Ranking überhaupt unter den Top Ten platzieren konnte. Unser Flughafen ist ja auch wunderschön, wir haben ein Angebot für Gäste wie kaum ein anderer Airport."
Stimmt. Ich kenne Leute, die sonntagnachmittags im Flughafen shoppen.
Dr. Michael Kerkloh: „Ich hoffe, Sie gehören dazu?"
Manchmal ...
Dr. Michael Kerkloh: „Jedenfalls gibt es ein immenses Angebot, gute Qualität und eben Top Service, das ist unser Bestreben. Das Angebot wird immer wieder erweitert, neue Marken kommen hinzu. Es gibt mehr als 130 Geschäfte und über 40 Bars und hochwertige Restaurants, darunter auch ‚Käfer’. Das große Spektrum reicht derzeit von hochwertigen Shops und Designer-Labels wie die Münchner Kultmarke Aigner, Bulgari, Ralph Lauren, Marc O’Polo, Lézard, Ferragamo und Hèrmes über Accessoire-Geschäfte wie das britische Trendlabel Accessorize bis zu Juwelieren, Lederwaren wie das Schweizer Navyboot und den wunderschönen Schreib-, Leder- und Papierwaren des italienischen Traditionshauses Fabriano. Und nicht zu vergessen unser amerikanische Brants Barber & Shop. Die Öffnungszeiten sind unterschiedlich, manche Läden öffnen um 6.30 Uhr, manche um 7.30 Uhr, jeweils bis 21 Uhr. Der Gastronomiebereich hat teilweise 24 Stunden geöffnet oder beginnt ab 5 Uhr morgens." 


 Herr der Lüfte: Dr. Michael Kerkloh  Ariport-Chef Dr. Michael Kerkloh  Hat keine Angst vorm Fliegen: Dr. Michael Kerloh. Alle pics: Pressestelle Flughafen

Das klingt fast, als wäre man auf einer überdachten Maximilianstraße. Wie oft steigen Sie eigentlich selbst in ein Flugzeug? Hatten Sie mal schon Flugangst?
Dr. Michael Kerkloh: „Ich bin mindestens einmal wöchentlich europaweit unterwegs. Zittrige Knie hatte ich noch nie - das Gefährlichste am Fliegen ist die Fahrt zum Flughafen." (lacht herzhaft)
Und Ihre Lieblingsdestinationen?
Dr. Michael Kerkloh: „Ich kann es mir ja nicht immer aussuchen, denn ich bin meistens beruflich unterwegs. Aber am interessantesten sind für mich die Flughäfen, in denen ich noch nie war. Ich fliege eigentlich nicht gerne zweimal an denselben Ort."
Also waren Sie schon überall, einmal rund um den Globus und zurück?
Dr. Michael Kerkloh, bescheiden: „Na ja, fast. Aber es gibt noch ein paar versteckte Winkel, die ich unbedingt kennenlernen will. So war ich beispielsweise unlängst in Sibirien."
Was die Leser noch interessiert: Was sind eigentlich Ihre Aufgaben?
Dr. Michael Kerkloh: „Ich bin der Chef!" (lacht) „Ich führe eine Mannschaft, die dem Freistaat Bayern eine exzellente Anbindung zu den wichtigen Metropolen und Märkten in aller Welt verschafft. Wir leisten einen guten Beitrag zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Bayerns. Persönlich kümmere ich mich unter anderem um unsere Großkunden, pflege die Kontakte zur Politik und vertrete die Interessen des Flughafens in der Öffentlichkeit. Derzeit haben wir übrigens insgesamt 100 Airlines, die 223 Destinationen in 68 Ländern ansteuern. Und mit dem Sommerflugplan steigt noch die Zahl der Interkontinentalverbindungen, die Lufthansa bietet ihre Flüge nach Mumbai, Sao Paulo, Singapur und Seoul dann sogar täglich an. Insgesamt 49 Langstreckenziele sind von München aus nonstop zu erreichen. Die Zahl der Starts und Landungen betrug im vergangenen Jahr insgesamt 389.939, wobei es im Winterhalbjahr eine Steigerung um drei Prozent im Vergleich zum Sommer gab."  
Wie reagieren Sie, wenn es zu Problemen mit den Passagieren kommt?
Dr. Michael Kerkloh: „Natürlich kommt es vor, dass es Probleme gibt. Mal kommt das Gepäck zu spät, mal schaffen die Gäste den Anschlussflug nicht, mal beschweren sie sich über die Sicherheitsvorkehrungen. Da heißt es: schnell reagieren, flexibel sein, fremdsprachlich und kulturell offen sein... Wir lernen aber auch von anderen guten Flughäfen! Und stellen fest, dass auch andere von uns lernen, das heißt, dass wir es nicht ganz so schlecht machen, oder?"
Apropos Sicherheit: Bei unserem letzten Check-in mussten wir uns fast ganz ausziehen ...
Dr. Michael Kerkloh: „Das tut mir leid! Aber das Personal muss sich an die Regeln halten. Und die Sicherheitsvorkehrungen sind in letzter Zeit immer mal wieder verschärft worden. Demnächst gibt es aber eine detaillierte Prüfung, und man überlegt, was eventuell wieder etwas entschärft werden könnte."
Was macht für Sie das ganz persönliche Flughafen-Ambiente aus?
Dr. Michael Kerkloh: „Alles! Aber wenn ich morgens durchs Erdinger Moos fahre, die Sonne scheint oder geht gerade auf, und ich den Airport – meinen Airport! - sehe, bekomme ich Gänsehaut. Auch nach neun Jahren noch. Wenn dies mal nicht mehr der Fall sein sollte, gebe ich sofort meinen Job auf. Aber das wird niemals passieren ..." (lacht).
Abschließend noch: Wie lauten Ihre weiteren Pläne?
Dr. Michael Kerkloh: „Der Münchner Airport soll in die internationale Champions League aufsteigen. Darüber hinaus wollen wir 10.000 weitere Arbeitsplätze schaffen. Und – der Transrapid konnte sich leider nicht durchsetzen – aber wir arbeiten trotzdem daran, die Verkehrsanbindungen zu verbessern. Auch öffentlich. 30 statt 40 Minuten Anfahrt wären optimal."

About Dr. Micheael Kerkloh
Flughafenchef Dr. Michael Kerkloh, 1952 im westfälischen Ahlen geboren, wollte als Kind eigentlich Lokführer werden. Seit jeher schon faszinierte ihn das Thema „Transport und Verkehr", und so studierte er Volkswirtschaft mit den Schwerpunkten Verkehrspolitik und Infrastruktur in Göttingen, London und Frankfurt, wo er auch promovierte. Bis 1985 war er zudem Lehrbeauftragter für Wirtschaftspolitik an der Universität Frankfurt. Zwar arbeitete der Diplom-Volkswirt zunächst im Bonner Rentrop-Verlag als Assistent der Geschäftsführung (1986/87), doch nicht zuletzt die Nähe zum Flughafen hatte schon in Frankfurt seine Faszination für den Airport geweckt. Er ging nach Frankfurt zurück und übernahm dort die Operative Leitung der Flughafen Frankfurt/Main AG (1987-1994), war zuständig für die Betriebsplanung, Organisationsabwicklung und Koordination der Flugzeugabfertigung. 1995 wurde er nach Hamburg als einer von zwei Geschäftsführern der Flughafen Hamburg GmbH berufen und war maßgeblich an der erfolgreichen Entwicklung des Airports beteiligt. 2002 ging Dr. Kerkloh nach München und übernahm den Vorsitz der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH. Die renommierte Luftfahrt-Fachzeitschrift Touristik Report zeichnete ihn mehrfach zum „Besten Airport-Manager des Jahres" aus. Dr. Michael Kerkloh ist verheiratet und hat einen 26-jährigen Sohn. Seine Liebe gilt außerdem der Musik, er spielt Klavier, Gitarre und Geige.

About Airport Munich
Die Geburtsstunde schlug am 17. Mai 1992, als der Franz Josef Strauß Flughafen München eröffnet wurde und damit den 52 Jahre alten und zu klein gewordenen Airport in Riem ablöste. Gesellschafter sind zu 51% der Freistaat Bayern, zu 26% die Bundesrepublik Deutschland und zu 23% die Stadt München, Betreiber ist die Flughafen München GmbH (FMG). Er besitzt zwei parallele, 4.000 Meter lange und 60 Meter breite Start- und Landebahnen. Und noch ein paar Zahlen: Terminal 1, der 1.081 m lang ist, fasst über 20 Millionen Passagiere pro Jahr, die an 150 Check-in-Schaltern ihre Flugdaten eingeben. Die Förderbänder für das Gepäck sind insgesamt 18 km lang. Terminal 2 (980 m lang), folgte am 29. Juni 2003 und fasst 20 bis 25 Millionen Passagiere pro Jahr. Er verfügt über 124 Check-in-Schalter und über eine 40 km lange Gepäckförderanlage. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich der Münchner Flughafen zu einem internationalen Luftverkehrsdrehkreuz, zu einem Umsteigeflughafen mit Anschluss in alle Welt. Gerade das Terminal 2 wurde zu diesem Zweck gebaut, um den Passagieren den Aufenthalt zwischen den Flügen so kurzweilig wie möglich zu gestalten. Mit rund 30.000 Beschäftigten ist der Flughafen München einer der größten Arbeitgeber in Bayern. www.munich-airport.de/, www.flughafenmuenchen.net.

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