Das “Heppel & Ettlich” im Herzen Schwabings – junggebliebene Kleinkunstgeschichte seit über 30 Jahren schreibt sich faszinierend fort

Mit Tradition und Wechsel – die Legende lebt weiter!


Einfach gegenüber

Einfach gegenüber

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich

Es soll tatsächlich Menschen geben, an denen der Umzug der kulturellen Schwabinger Institution "Heppel & Ettlich” in das wieder auferstandene Trendviertel Münchner Freiheit unbemerkt vorbeigegangen ist. Potentiell befänden sich unter diesen Unwissenden einige Münchner Bürger, heißt es. Das könnte allerhöchstens dem natürlichen Alterprozess vereinzelter Couchpotatoes geschuldet sein, wie wir befinden, wenn wir uns die "neue” Wirkungsstätte in der Feilitzschstraße 12, betrachten. Dort, im ersten Stock, bieten "Heppel und Ettlich” wie gewohnt ein vielfältiges und originelles Programm seit immerhin Herbst 2009. 
Es handelt sich um die ehemaligen Räumlichkeiten des Kammertheater Schwabings, mit all seiner höchst angemessenen, schummrigen Patina und gemütlichen Urigkeit. Und spätestens hier merken Kenner der Szene auf: Ja, es ist oberhalb des formidablen Lokales "Drugstore” angesiedelt. Das bedeutet eine schlagkräftige Kooperation von ausgewählter Kleinkunst mit einem Restaurant samt seinen großzügigen Öffnungszeiten, dem bewährten internationalen Kiosk und der lässigen Boutique "Flip Outlet”.
Stairway to Cabaret Heaven

Stairway to Cabaret Heaven

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich

Kathrin Skiba, 28 Jahre alt, Managerin des "Heppel & Ettlich” seit November 2011 und zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist über diese Verbindung sehr glücklich:
"Wir beide profitieren auf höchst harmonische Weise von- und miteinander. Wer wirklich keine Ahnung von "Heppel & Ettlich” hat, wird spätestens nach Betreten des Erdgeschosses durch unsere Flyer und Poster darauf aufmerksam gemacht. Das setzt sich über die Treppe zu den Toiletten im ersten Stock fort. eine für alle Seiten wunderbare Interaktion, um nicht zu sagen "Win-Win-Win”-Situation.”
Diesen Eindruck finde ich sofort bestätigt, als ich so einige Gäste der aktuellen Premiere wiedererkenne, die ich eben noch im Lokal sah. Und eine launiges Quartett versichert mir, dass sie es zu einem monatlichen Ritual gemacht hätten, nach einem herrlichen Spaziergang durch den Englischen Garten und/oder die Hirschau, hier zu der satten Kombination von Kultur und kulinarischem Genuss gemeinsam den Tag zu feiern. Ein verschmitzter Herr erinnert mich für einen Augenblick an unseren Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, dessen Präsenz gar nicht so unwahrscheinlich ware, trat er doch als namhafter Kabarettist und Buchautor desöfteren in der Kaiserstraße, dem ehemaligen Domizil von "Heppel & Ettlich” auf, ebenso wie Fredl Fesl, Doris Dörrie, Axel Hacke, Christoph Süß und impro à la turka.
Familiäres Feeling

Familiäres Feeling

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich

 Aber derzeit, angesichts seiner Nominierung als SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen im nächsten Jahr, gestaltet sich das sicher etwas schwierig. Gern würden sie ihm hier weiterhin ein Podium bieten:
"Mein Job besteht ja nicht nur darin, das Profil neuer interessanter Auftrittsgäste auszuloten, denen wir hier einen adäquaten Rahmen geben. Viele Stamm-Künstler unseres Vertrauens kehren von selbst wieder, und wir stimmen mit einer entsprechenden Vorlaufzeit die Termine ab. Alle schätzen unser kleines aber feines, eingespieltes Team – jede(r) übernimmt gleich mehrere Funktionen, schau dir Horst an, der gleichzeitig Technik und unsere kleine Bar im Griff hat. Und sie sind alle treue Weggefährten von "Wolle” Ettlich – er verkörpert mit seinem Ur-Berliner Charme das eigentliche Charisma unseres Kleinkunst-Engagements.”
Leider ist er heute gerade unterwegs, auf Stoffsuche für einen neuen Dokumentarfilm – für seine renommierte Tätigkeit als Regisseur ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Doch ansonsten bleibt er "spiritus rector” und steht gern für breite Gespräche vor oder nach der Vorstellung zur Verfügung - gern auch hinter der Bar zu einem ausgedehnten Dämmerschoppen.
Lutz Neumann, ein weiterer, langjähriger Mitstreiter, mit dem Wolfgang Ettlich gemeinsam die Ehrenurkunde für den Schwabinger Kunstpreis erhielt, zeichnet weitgehend für das von der Stadt München geförderte Spezialthema im März verantwortlich: "Das HEPPEL geht FREMD.”
Kathrin Skibas Augen leuchten auf in Vorfreude, und ich verspreche mit so einigen Fremdgängern und Ahnungslosen diesen kommenden Monat regelmäßig anzureichern mit
Wolle packt an

Wolle packt an

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich

 einem langen Spaziergang im Englischen Garten, einem schönen Essen im "Drugstore” und als Höhepunkt einer der kultigen Performances im "Heppel & Ettlich”.
Hoffentlich treffen wir dann mal Wolle und vielleicht ja irgendwann auch einen neuen Ministerpräsidenten…

Text: Andreas Radau
Fotos: Heppel und Ettlich

Lesenswertes zur Geschichte von Heppel und Ettlich bietet auch Helmut Schümann: Heppel & Ettlich. Ein Zigarettenautomat packt aus. Kunstmann, München 2006, ISBN 3-88897-458-5

Kulinarik und Kultur!

Kulinarik und Kultur!

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich

Die Bar - klein und fein.

Die Bar - klein und fein.

Foto: © 2012 Heppel & Ettlich



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