Das Münchner Stadtmuseum blickt mit einer sensationellen Ausstellung sowohl zurück als auch voraus, bis zum 1. September 2013

Der Kampf geht weiter - 'Wem gehört die Stadt?'


Aktuell?!

Aktuell?!

Foto: © Archiv der Münchner Arrbeiterbewegung

Woher stammt eigentlich das Vorurteil bezeihungsweise die irrige Meinung, München habe es in der Aufbruchphase der späten Sechziger Jahre eher gemütlich und bisweilen stirnrunzelnd hingenommen, welche gesellschaftlichen An- und Aufrührungenihre Folgen in den Siebziger Jahren tätigten?

Wer das Münchner Stadtmuseum nicht ohnehin regelmäßig besucht, sollte dies anlässlich der akribisch aufbereiteten, gleichwohl launigen Darstellung dieser bewegenden Epoche jüngerer Vergangenheit unbedingt nachholen. 'Wem gehört die Stadt?' Plakativ-visuell, filmisch-audiovisonär, textlich-politisch und immer total engagiert bezeugen Urheber, Macher und Protagonisten in den unterschiedlichsten Bereichen, wie sehr dieses lebhafte Jahrzehnt von sozialer und philosophischer Tatkraft sprühte:


" - im Bereich der Kultur: underground explosion, Aktionskunst und freie Kunstmesse;

Machtkampf?!

Machtkampf?!

Foto: © Arch. M. Arbeiterbeweg.

 
 - im Bereich der Politik:
Künstlich?!

Künstlich?!

Foto: © Münchner Stadtmuseum

 Bildung von Basis- und Stadtteilgruppen, Arbeiter-Basis-Gruppen in Betrieben und Proteste von Studenten, Schülern und Lehrlingen gegen die Bildungsreform, Solidarität im Kampf gegen Kolonialismus und diktatorischen Regime;


Feministisch?!

Feministisch?!

Foto: © Sammlung kofra, M.

- im Bereich der Gegenöffentlichkeit: Produktion und Vertrieb von Literatur sowie Aufbau einer eigenen Presse und einer Gegenwehr zu juristischen Anfeindungen;


Marxistisch?!

Marxistisch?!

Foto: © Münchner Stadtmuseum

- im Bereich der Einschränkung demokratischer Grundrechte: Bildung von Komitees und Durchführung von Aufklärungskampagnen, Strafverteidiger-Initiativen, Aktionsgemeinschaften;

- im Bereich „Leben in der Stadt": Bürgerinitiativen und Mieterproteste, Hausbesetzungen gegen Leerstand und Wohnraumvernichtung, dezentrale Jugendarbeit und selbstverwaltete Jungendzentren, autonome Sozialarbeit, solidarische Ausländerarbeit;

- im Bereich alternativer Lebens- / Arbeitsformen und Kultur: Selbstverwaltete Betriebe und Arbeitskollektive, Wohnprojekte, Stadtteilzentren, Freies Theater, Künstlergruppen, Straßenmusik und neue Volksmusik;

- im Bereich Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung: Kampagnen gegen sexuelle Fremdbestimmung; Kampf gegen moralische und juristische Einschränkungen (§218; $175); Aufbau von Zentren und eigenen Medien;

- im Bereich Ökologiebewegung, Anti-AKW-Bewegung, Friedensbewegung, Kriegsdienstverweigerung und neue Solidaritätsbewegung;

- im Bereich einer neuen Jugend-Kultur-Bewegung der späten 1970er und frühen 1980er Jahre."
Fegefeuer?!

Fegefeuer?!

Foto: © Münchner Stadtmuseum

Unfriedlich?!

Unfriedlich?!

Foto: © Münchner Stadtmuseum

(Quelle: Auszug Pressetext Münchner Stadtmuseum)


Es empfiehlt sich, nach aufwühlendem Genuss der 650 Exponate und der immer wieder, gerade heute, zu Recht gestellten Frage "Wem gehört die Stadt?" ein wenig zu verschnaufen. Begleitende, mehr oder weniger kleidsame Objekte des Jahrzehnts lenken die Aufmerksamkeit des Besuchers von eben furios erlebten Hirnströmungen in ungewollt komische Gefühlsregungen. Verhaltenes Kichern und lautes Aufstöhnen säumen den Rundgang durch 'GESCHMACKSACHE - Mode der 70er Jahre'.

"So oder ähnlich muss ich wohl auch ausgesehen haben?!"


Alternativ?!

Alternativ?!

Foto: © Münchner Stadtmuseum

Gewisse
Ewige Auferstehung?!

Ewige Auferstehung?!

Foto: © Arch. M. Arbeiterbeweg.

 nostalgische Momente stellen sich unwillkürlich ein - ein Überangebot an Sentimentalität wird allerdings bewusst vermieden, no Sexiness.

Dem Rezipienten ist es erst Mitte der Achtziger Jahre vergönnt gewesen, München zu entdecken - leider.
Einerseits. Andererseits - wir können rückwirkend verstehen. Und vorwärts gehen und mitwirken, oder?!


Text: Andreas Radau
Fotos: © Münchner Stadtmuseum, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung

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