Die Münchner Messe für Zeitgenössische Kunst mit internationalen Zuwächsen

Munich Contempo – International Contemporary Art Fair

 


Zeitweiser Pantheon der Künste im Zentrum Münchens

Zum 56. Mal darf München seine "Kunst-Messe” dieses Jahr eröffnen und das nun wiederholt im wiederentdeckten "Pantheon”, als solcher wurde der in den 1920er Jahren als Paketzustellamt in einer klaren ästhetischen Formensprache errichtete Rundbau vom Kunstmesseveranstalter Wolf Krey wiederbelebt. Unter der gläsernen Dachkuppel mit 20 Metern Höhe weitet sich der Rundbau mit 52 Meter Durchmesser und bietet genügend Raum, um ein geschlossenes Messe- und Ausstellungskonzept großzügig umzusetzen.

Ein Füllhorn an Kunst und Antiquitäten

Sollte man ein Symbol für diese Ausstellung kreieren, so böte sich das "Horn der Amaltheia bzw. der Flora” an. Ein Füllhorn als Symbol des Glücks und als Zeichen für Reichtum und Überfluss. Opulent reizen hier die Galerien und Kunsthändler das Sammlerauge. Man flaniert im Kreis, alle Stände sind an ihrer Breitseite offen oder gehen ineinander über, so dass wir ein Kunsterleben im Vorbeigehen und bei gesteigertem Interesse im Detail erleben können.

Die globale Kunstwelt wächst zusammen!

Während sich hier die traditionsreiche Kunstmesse München ausgewählt und kostbar präsentiert, findet sich in einem der zweckrelevanten Anbauten, der Säulenhalle, die früher als Sortierhalle diente, also an einem nüchternen Ort DIE Münchener Herbstmesse für Zeitgenössische Kunst. Die "Munich Contempo - International Contemporary Art Fair” zeigt als sogenannter "Neuling unter den deutschen Kunstmessen” im zweiten Jahr ihres Bestehens mit Galerien aus Europa, China, Korea, Afrika und den USA, dass die globale Kunstwelt zusammenwächst. Wunderbar ergänzt diese Messe das Galeriegeschehen vor Ort, dass im September mit der Open Art 2011 den Kunstherbst in der bayerischen Landeshauptstadt eröffnete.


Baik Song Gallery/Seoul: Kyong min Kimi - Skulptur

Baik Song Gallery/Seoul: Kyong min Kimi - Skulptur

Stand Berlin Art Projects

Stand Berlin Art Projects


Matthias Hauser vor Regina Silveira - Arbeiten

Matthias Hauser vor Regina Silveira - Arbeiten

Samuel Salcedo, Galerie Casteel

Samuel Salcedo, Galerie Casteel



Aha!

Doebele/Dresden - Igor Oleinikov/Einzelschau/Russland

Doebele/Dresden - Igor Oleinikov/Einzelschau/Russland

Bei einem Messerundgang auf der Munich Contempo darf man so manches Mal schmunzeln, ein innerliches Aha! flüstern oder auch im ersten Moment erschrocken sein. Das vermeintlich Schöne zieht den Betrachter an und sein versteckter, meist philosophischer Inhalt schreckt ab! Es darf an die Grenzen des Vorstellbaren gegangen werden und manches Mal auch darüber hinaus. Was man schließlich für die eigenen Wände von hier mitnimmt, sollte nur einer entscheiden: Der Sammler.

Beuys als Hampelmann der Kunst?

Eine „Zug um Zug"-Skulptur des Künstlers Christian Eisenberger (geb. 1978) zeigt Beus als Hampelmann. Am Ende des Seiles hängt übrigens ein Korkenzieher. Eisenberger hat Humor, was auch seine von der Decke herab hängenden „Neon Galgen"-Schnüre und seine „No Parking"-Keule zeigt. Gesehen bei Galerie Konzett aus Wien, die im reich bebilderten Contempo Messe-Katalog Ausstellungsansichten mit Werken von Joseph Beuys zeigt.


Kunst entdecken!

Auf diese Art sensibilisiert kann das Kunsterleben los gehen, denn so Einiges will entdeckt werden:

Thitz: "Liberty" für Ai Weiwei

Thitz: "Liberty" für Ai Weiwei

Thitz: Ai Weiwei - Porträt will gesucht werden!

Thitz: Ai Weiwei - Porträt will gesucht werden!


Thitz: "Shanghai in100 Years", Galerie Rothamel

Thitz: "Shanghai in100 Years", Galerie Rothamel

 Etwas versteckt findet man am Stand der Galerie Rothamel aus Erfurtin einem Kunstwerk „Shanghai in 100 Years" Bildzitate, das heißt Fotos, des chinesischen Künstlers Ai Weiwei eincollagiert. Wie Bild-Ikonen sprechen diese zum Betrachter, der vor einer in den Himmel wachsenden, quirligen Stadt steht. Der für sein künstlerisches Schaffen verfolgte, inhaftierte und mit Berufsverbot und Reiseverbot belegte Künstler, Kurator und Menschenrechtler immernoch versteckt? In 100 Jahren? Nur ein Gesicht, aber eines das 2011 weltweit zum Symbol für die Freiheit der Kunst geworden ist. Viele Fragen des schwäbischen und international tätigen Künstlers Thitz ...

Neben nationalen und internationalen Galerie bespielt der Kunstclub13 einen Stand und verleiht einen Preis an Emilia Scharfe und die Section Stroke. Artfair zeigt Streetart.


Wie FREI ist die Kunst?

Was sagen junge Münchner Künstler dazu. Emilia Scharfe, die einen ganzen Messestand bespielen darf, stellt den Betrachter vor ein Spiegelkabinett. Im Hintergrund läuft der Film eines tanzenden Hundes, musikalisch untermalt hören wir Klänge, die an Spannung erzeugende Momente aus Alfred Hitchcocks Filmen denken lassen. Innere Aufregung, das domestizierte Tier, der Betrachter und die Realität einer Kunstmesse für Zeitgenössisches – eine multible Wahrnehmung schafft einen bewegten Augenblick, ein kurzes Zeitfenster, das in Erinnerung bleibt. Hier spielt eine junge Künstlerin mit unseren Sinnesorganen und unserer Wahrnehmung: das was du siehst bist du. Emilia Scharfe freut sich über den mit 2500,- Euro dotieren „Förderpreis des Kunstclub13", der 2011 zum ersten Mal vergeben wurde.


Emilia Scharfe vor Messestand

Emilia Scharfe vor Messestand

Was geschieht mit uns, wenn die Kunst uns den Spiegel vorhält?

Urban Grünfelder antwortet mit seinen teils fast menschengroßen Keramik Sklpturen. Nackte Männerkörper hocken am Boden, in Primatenhaltung wird ihrem Rückenmark etwas eingetrichtert, sie halten ein flexibels Maßband zwischen den Zähnen oder „fressen" ihren Nadelstreifenanzug. Innen hol und außen Hochglanz, grau oder farbig lassiert, erinnern diese Skulpturen an unsere durchdesignte Wohnwelt, in welcher reale Gegenstände des alltäglichen Bedarfs und aus minderwertigen Materialien fast störend wirken: ein Maßband, ein weißer Plastiktrichter, das Jacket eines Anzugs. Ein Nadelstreifenanzug, die zweite Haut der Geschäftswelt, wird von ihrem Träger gefressen. Das Individium emanzipiert sich von einer Äußerlichkeit, seiner zweiten, geschäftlichen Haut, seiner Auflage! Hier braucht es keine Worte!


Peithner-Lichtenfels/Urban-Grunfelder:Mann frisst Anzug

Peithner-Lichtenfels/Urban-Grunfelder:Mann frisst Anzug

Voller neuer Impulse und Erkenntnisse sollte der Besucher etwas nachdenklicher in den Alltag zurückkehren. Und so manches Kunstwerk dürfte mit Sicherheit seinen Besitzer finden. München ist durch die Contempo ein Stück reicher – man darf hoffen, dass diese Internationale Messe für Zeitgenössische Kunst sich in der bayerischen Landeshauptstadt etabliert.

Text und Fotos: Dr. Helga Wäß

Munich Contempo – International Contemporary Art Fair

http://www.munich-contempo.com

Section 1 „promising land" zeigt die STROKE.ARTFAIR - Street-Art-Künstler
http://www.stroke02.com

Section 2 „Kunstclub13"
http://www.kunstclub13.de

 

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